Die Professionelle Zahnreinigung – medizinisch sinnvoll oder überflüssig?

Die Vorbeugung von Zahn- und Zahnfleischerkrankungen gehört heute zur modernen Zahnheilkunde. Ein gute Mundgesundheit wirkt sich positiv auf die gesamte Gesundheit des Körpers aus. Die Professionelle Zahnreinigung ist dabei eine der wesentlichen Säulen zur Wiederherstellung und zum langfristigen Erhalt der Mundgesundheit.
Was beinhaltet eigentlich eine Professionelle Zahnreinigung (PZR)?

Bei der PZR wird die individuelle Situation in der Mundhöhle inspiziert und der Mundhygienestatus erfaßt. In der Mundhygieneunterweisung werden dem/der Patienten/-in die individuellen Problemstellen aufgezeigt, geeignete Pflegeempfehlungen vor allem für die Zahnzwischenraumhygiene gegeben und deren Anwendung geübt. Die harten und weichen Beläge (Zahnstein, Biofilm sowie Verfärbungen) oberhalb des
Zahnfleischrandes (supragingival) werden mit verschiedensten Hilfsmitteln entfernt. Je nach Qualifiktionsgrad des Personals werden auch die subgingivalen Beläge (unterhalb vom Zahnfleischrand) beseitigt.
Besondere Aufmerksamkeit wird den Zahnzwischenräumen gewidmet, in denen oft sowohl Karies, als auch Parodontitis entstehen. Anschließend erfolgt die Politur der Zahnoberflächen und eine Fluoridierung. Sollte herausnehmbarer Zahnersatz vorhanden sein, wird auch dieser gereinigt.

Braucht jeder Mensch eine PZR?

Leider reicht die häusliche Mundpflege gegen die sich ständig neu bildenden bakteriellen Zahnbeläge (Biofilm) bei allem Bemühen in der Regel bei den meisten Menschen nicht aus. Daher ist mindestens einmal pro Jahr, besser zweimal pro Jahr, in Einzelfällen 3-4 mal eine PZR zu empfehlen. Der individuelle Bedarf wird mit dem/der Patient*in festgelegt. Insbesondere bei bereits eingetretener Erkrankung des Zahnhalteapparats (Parodontitis) können im Rahmen der initialen Therapie mehrere Sitzungen in kurzem Abstand nacheinander erforderlich werden. Nach abgeschlossener Parodontitisbehandlung können risikoabhängig kürzere Zeitabstände bis zur nächsten PZR angezeigt sein. Hier ist PZR als Unterstützende Parodontitistherapie (UPT) umfangreicher, da hier auch die bakteriell besiedelten Resttaschen gereinigt werden müssen.

Wie lange dauert eine PZR?

Bei vollbezahnten Patienten wird in der Regel je nach Mundhygienestatus eine Behandlungssitzung von 30 bis 60 Minuten Dauer benötigt. Patienten mit weniger Zähnen benötigen eine kürzere Behandlungsdauer, bei Patienten mit erhöhtem Behandlungsbedarf (UPT) oder bei Zusatzmaßnahmen wie z.B. Speicheltests oder mikrobiologischen Tests kann eine längere Behandlungsdauer erforderlich sein.

Ist die PZR schmerzhaft?

Da die professionelle Zahnreinigung schonend und durch geschultes Personal durchgeführt wird und die Intensität der maschinellen Systeme individuell nach Bedarf eingestellt werden kann, ist die PZR in der Regel nicht schmerzhaft und wird zumeist ohne lokale Betäubung durchgeführt. In Einzelfällen kann eine Anästhesie erforderlich sein. Vorbeugend können empfindlichkeits-reduzierende Salben aufgebracht werden.

Übernimmt die gesetzliche Krankenkasse oder eine private Zusatzversicherung die Kosten der PZR?

Grundsätzlich ist die PZR eine Privatleistung, die nach der privaten Gebührenordnung (GOZ) abgerechnet wird. Inzwischen bezuschussen viele gesetzlichen Krankenkassen mindestens eine professionelle Zahnreinigung jährlich. Private Zusatzversicherungen erstatten die Kosten der PZR unterschiedlich – je nach individuellem Vertrag, hier sollte vor der Behandlung angefragt werden. Für Privatversicherte ist die PZR eine Leistung der Gebührenordnung, Beschränkungen der Erstattung bei Beihilfeberechtigten sind im Einzelfall möglich.

Fazit:

Viele Patienten*innen, die seit Jahren regelmäßig Professionelle Zahnreinigungen durchführen lassen, stellen selbst fest, dass in dieser Zeit kaum mehr neue Kariesläsionen aufgetreten sind und die ursprünglich vorhandene und systematisch therapierte Parodontitis zum Stillstand gekommen ist.

PZR bedeutet nicht nur die Entfernung von Verfärbungen, sondern schafft gesunde, entzündungsfreie Verhältnisse in der Mundhöhle. Chronische Entzündungen, wie sie im Sinne einer Parodontitis häufig auftreten, stehen im Verdacht, ein Risikofaktor für gefäßbedingte Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall zu sein. Nachweislich verschlechtert eine Parodontitiserkrankung einen vorhandenen Diabetes mellitus. Regelmäßige Professionelle Zahnreinigungen sind daher bei der überwiegenden Mehrzahl der Patienten*innen medizinisch sinnvoll.