Wurzelbehandlungen sind schmerzhaft und bringen sowieso nichts – oder?

Mit dem Begriff Wurzelbehandlung verbinden viele Patientinnen und Patienten immer noch mehrfache schmerzhafte Behandlungen, anschließende Beschwerden und die Nachricht des Zahnarztes, dass der Zahn dann doch entfernt werden muss. Die Realität sieht glücklicherweise anders aus. Kaum ein Fachgebiet der Zahnmedizin hat sich in den letzten zehn Jahren so rasant weiter entwickelt wie die sogenannte Endodontologie – das Fachgebiet für alles, was sich mit dem lebendigen Inneren des Zahnes beschäftigt.
Wann und warum muss ein Zahn eigentlich wurzelbehandelt werden?

Ein Zahn besteht aus Zahnschmelz, aus Dentin und der Pulpa, dem vitalen Weichgewebe im inneren Wurzelkanalsystem des Zahnes (siehe Abbildung 1). Die Pulpa kann sich entzünden. Ursachen dafür sind Karies, Zahnfrakturen durch Einwirkung großer Kräfte oder auch eine massive Überlastung des Zahnes über längere Zeit. Auch das Beschleifen eines Zahnes zum Beispiel zur Aufnahme einer Krone kann zur Entzündung der Pulpa führen. Wenn die Pulpa entzündet ist, muss sie entfernt werden. Die Entzündung kann mit starken Schmerzen einhergehen. Unbehandelt stirbt das Pulpengewebe ab und Bakterien besiedeln die entstehenden Hohlräume im Zahn. In der Folge der bakteriellen Besiedlung breitet sich die Entzündung über die Wurzelspitze in den Knochen aus (siehe Abbildung 2). Auch in diesem Stadium können Schmerzen entstehen, besonders, wenn die Schwellung die Knochenhaut des Kiefers erreicht.

Abb. 1

Abb. 2

Was bewirkt dann die Wurzelbehandlung?

Ziel der Wurzelbehandlung ist es, die Bakterien und die Gewebereste aus dem Wurzelkanalsystem zu entfernen, es zu desinfizieren und anschließend dicht zu verschließen. Dies ist allerdings nicht so einfach, weil die Wurzelkanäle der Zähne häufig stark verzweigt und schwierig oder gar nicht vollständig zu erreichen sind. Gelingt die Reinigung, Desinfektion und Füllung der Wurzelkanäle, kann damit auch eine Infektion beseitigt werden, die sich bereits über die Wurzelspitze hinaus ausgebreitet hat.

Wie kann denn eine vollständige Desinfektion erreicht werden?

Zunächst muss das Wurzelkanalsystem zugänglich gemacht werden. Die mechanisch zugänglichen Wurzelkanäle werden mit sehr stabilen, aber biegsamen Feilen aus einer Speziallegierung erweitert und ausgefeilt. Zahnärzte nennen das „aufbereitet“. Wichtig ist dabei auch die richtige Länge der Aufbereitung. Wurde die Länge der Wurzelkanäle früher mittels Röntgenbildern abgeschätzt, hilft hier heute die sogenannte Endometrie. Spezielle Geräte messen den Widerstand zwischen der Spitze des Wurzelkanalinstrumentes und der Lippe des Patienten. Mit dieser Widerstandsmessung – die völlig ungefährlich und schmerzfrei ist – gelingt es, die Länge der Wurzelkanäle genauer zu bestimmen. Genauso bedeutsam wie die mechanische Bearbeitung der Wurzelkanäle ist die anschließende Desinfektion durch Spülvorgänge. Mit desinfizierenden Lösungen werden die Kanäle gespült; die Spülflüssigkeit wird zusätzlich durch Ultraschall aktiviert. Als letzte Maßnahme zur Desinfektion wird eine desinfizierende Paste für mehrere Tage bis Wochen in den Zahn eingelegt.und der Zahn provisorisch verschlossen. Die ganze Behandlung findet unter einem isolierenden Latextuch (sogenannter Kofferdamm) statt, damit kein Speichel in den Zahn gelangt und die Spülflüssigkeit nicht in größeren Mengen in den Mund (Abb. 3). Manchmal kann es notwendig sein, vor der Behandlung ein dreidimensionales Röntgenbild, ein sogenanntes Dentales Volumentomogramm (DVT) aufzunehmen, um ein kompliziertes Wurzelkanalsystem vollständig beurteilen zu können.

Abb. 3

Und dann?

In der zweiten Sitzung wird die provisorische Füllung entfernt und die gleichen Spülvorgänge wie in der ersten Sitzung nochmals wiederholt. Nach Trocknung des Zahnes und sorgfältiger Kontrolle – zum Beispiel mit Hilfe eines Mikroskops – kann das Wurzelkanalsystem möglichst dicht gefüllt werden. Dazu wird eine spezielle Paste (Guttapercha) erwärmt und mit ausgefeilter Technik in die Kanäle gepresst und/oder injiziert (siehe Abbildung 4). Die abschließende Füllung muss auch sehr dicht sein; bevorzugt werden adhäsive Füllungen. Ein Röntgenbild zur abschließenden Kontrolle ist in jedem Fall notwendig (siehe Abbildung 5).

Abb. 4

Abb.5

Tut das alles nicht sehr weh?

Während der Behandlung wird der Zahn vollständig lokal betäubt. Schmerzen können hier nur in hochakuten Fällen entstehen; dann wird die Zahnärztin oder der Zahnarzt zunächst nur eine kurze schmerzstillende Therapie durchführen, um die eigentliche Wurzelbehandlung erst dann zu terminieren, wenn eine vollständige Schmerzfreiheit gewährleistet ist.  Eventuelle Beschwerden nach der Therapie sind durch herkömmliche, entzündungshemmende Schmerzmittel üblicherweise gut zu therapieren. Sie dauern in der Regel nicht lange an.

Wie sind denn die langfristigen Erfolgsaussichten für wurzelbehandelte Zähne?

Die langfristigen Erfolgsaussichten für wurzelbehandelte Zähne sind hoch, wenn die Wurzelkanäle zugänglich und gut desinfizierbar und füllbar sind. Eine Rolle für die langfristige Prognose spielt auch die Versorgung des Zahnes nach der Wurzelbehandlung: offenbar überleben wurzelbehandelte Zähne länger, wenn sie überkront werden. Eine dichte, geklebte Füllung direkt nach der Wurzelfüllung ist eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg; die Überkronung sollte erfolgen, wenn der Zahn mehrere Monate bis zu einem Jahr symptomenlos war und im Röntgenbild keine Auffälligkeiten erkennbar sind.

Und wie sieht es mit den Kosten aus?

Die Kosten sind je nach Anzahl der Wurzelkanäle und Schwierigkeit der Behandlung sehr unterschiedlich. Für mehrwurzelige Zähne können mehrere Hundert bis 1000 € Kosten entstehen, falls der Zahn bereits wurzelbehandelt war und revidiert werden muss, kann ein noch höherer Aufwand entstehen. Ihr AZT-Zahnarzt wird mit Ihnen die Kosten vor der Behandlung abschätzen und besprechen.

Fazit:

Die moderne Wurzelbehandlung macht ähnlich rasante Fortschritte wie die Implantologie. Sie fordert hohen technischen Einsatz und die Bereitschaft, Zeit und Geld in Fortbildung zu investieren. Dies alles tun wir aus Überzeugung und freuen uns über viele gerettete Zähne.